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3 Mai 2014, 0:00

Russische Unternehmen entdecken Nordrhein-Westfalen

 Börsen-Zeitung / 03.05.2014

 

Russische Unternehmen entdecken Nordrhein-Westfalen

 

Denkweise passt durchaus zum deutschen Mittelstand - Persönliche Bindungen und Loyalität werden geschätzt
Börsen-Zeitung, 3.5.2014

 

In den vergangenen Jahren war oft die Rede vom Ausverkauf des Mittelstands an Private-Equity-Investoren oder chinesische Konzerne. Dabei wurde oft übersehen, dass deutsche Unternehmen mit einem Nachfolgethema auch für strategische Investoren aus einer Vielzahl von Ländern interessant sind. Dazu zählt auch Russland. Angesichts der aktuellen politischen Differenzen sollten wir nicht vergessen, dass Deutschland und Russland viele gemeinsame Interessen haben. Dies trifft auch auf Unternehmen stärker zu als gemeinhin angenommen.

 

Pendel schwingt zurück

 

Bereits unter Zarin Katharina der Großen kamen zahlreiche deutsche Handwerker ins Land und waren über Jahrhunderte fester Bestandteil der russischen Wirtschaft. Gleichzeitig gingen Exporte von Weizen, Holz und anderen Rohstoffen nach Deutschland. Insofern stellten die Brüche des Zweiten Weltkriegs und des Kalten Kriegs eine Abkehr vom traditionellen wirtschaftlichen Austausch dar. Nun schwingt das Pendel wieder zurück. Seit dem Zusammenbruch des Kommunismus vor einem Vierteljahrhundert fanden in Russland enorme Umwälzungen statt, die Anlass zum Optimismus geben. Der Austausch zwischen beiden Ländern ist seit den neunziger Jahren stark gewachsen - unbeeindruckt von temporären politischen Dissonanzen. 2013 betrug der Handelsumsatz zwischen beiden Ländern 76,5 Mrd. Euro, darunter deutsche Exporte in Höhe von 36,1 Mrd. Euro; Importe aus Russland beliefen sich auf 40,4 Mrd. Euro.

 

Mag auch die öffentliche Wahrnehmung russischer Unternehmen von Oligarchen und vermeintlich überholten Industrien geprägt sein, hat sich doch eine beachtliche Anzahl moderner Unternehmen etabliert. Stabile, konservative Finanzierung wird geschätzt, Kontinuität bei Mitarbeitern und Management ebenfalls. Diese Denkweise passt durchaus zum deutschen Mittelstand, der sich zunehmend dem eingangs erwähnten Nachfolgethema stellen muss.

 

Potenzial für Investoren

 

Eine Studie der DZ Bank zeigt, dass in den nächsten Jahren rund ein Viertel aller Mittelständler einen Nachfolger sucht. Dies betrifft eine große Zahl von Unternehmen: Laut Statistischem Bundesamt weist Deutschland rund 300 000 kleine und mittlere Unternehmen mit insgesamt mehr als 10 Millionen Mitarbeitern auf. Das stellt ein riesiges Potenzial für Investoren dar. Hinzu kommt, dass auf Verkäuferseite oft Misstrauen gegenüber Finanzinvestoren besteht. Ein Stratege mit langfristiger Orientierung kann dies entkräften.

 

Schon jetzt stammen rund 75 % aller Investitionen aus den BRIC-Staaten hierzulande aus Russland. Nordrhein-Westfalen (NRW) ist dabei der Spitzenreiter unter den Bundesländern. Der Verband der Russischen Wirtschaft in Deutschland geht davon aus, dass dieser Trend nachhaltig ist. So sind russische Firmen allein in NRW an über 400 Unternehmen beteiligt.

 

Weshalb interessieren sich russische Unternehmen für Nordrhein-Westfalen? Die Antwort ist ebenso einfach wie schlüssig: Hier finden sie vertraute Branchen wie zum Beispiel den Maschinenbau, wo deutsche Anbieter traditionell über einen guten Ruf verfügen. Trotz aller strukturellen Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte ist Nordrhein-Westfalen immer noch stark von "alten" Industrien im positiven Sinne geprägt. Maschinenbau, Werkzeugtechnik, Stahlerzeugung, Automotive und andere werden auch morgen noch benötigt. Dies wird von russischen Strategen vielleicht klarer gesehen als in Deutschland selbst. Die Stärke der hiesigen Wirtschaft liegt nicht zuletzt in der sogenannten "old industry" begründet. Das typische deutsche Unternehmen bietet marktreife, technologisch anspruchsvolle Produkte mit entsprechendem Service, die international wettbewerbsfähig sind. Hinzu kommen langjährige Lieferantenbeziehungen zu großen Konzernen und in vielen Fällen wertvolle Patente.

 

Das ist für russische Käufer attraktiv. Denn eines ist klar: Die russische Industrie in ihrer Gesamtheit ist trotz einiger Erfolge in der jüngeren Vergangenheit noch nicht auf dem Niveau ihres deutschen Pendants. Dies wird auch allgemein anerkannt. Gut ausgebildete Mitarbeiter, Know-how und moderne Technologien sind weniger selbstverständlich. Es reicht nicht, westliche Maschinen zu kaufen. Diese müssen auch von ausgebildeten Fachkräften bedient werden und bedürfen der angemessenen Wartung. Folglich besteht in der Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen die große Chance, den Abstand zu verringern.

 

Aber was bringen die russischen Investoren mit? Passen die unterschiedlichen Unternehmenskulturen zusammen? Verfügen russische Unternehmen über mehr als nur finanzielle Mittel? Ein wichtiges Argument ist sicherlich der Zugang zu den Märkten auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion - ein riesiges Gebiet mit rund 270 Millionen Menschen. Für deutsche Mittelständler ist der Markteintritt ein schwieriges Unterfangen, ein russischer Partner hilfreich. Zudem verfügen privatwirtschaftliche russische Unternehmen in der Regel über ein Management, das in den vergangenen zwei Jahrzehnten mit außergewöhnlichen Herausforderungen umgehen musste.

 

Der Untergang der Sowjetunion, eine radikale Privatisierungswelle, massiver Wettbewerbsdruck durch ausländische Konzerne, die Währungskrise Ende der neunziger Jahre, der WTO-Beitritt Russlands - kaum ein westlicher Manager musste durch eine vergleichbar harte Schule gehen. Folglich sind es Unternehmer und Manager gewohnt, hohem Druck ausgesetzt zu sein, pragmatisch zu handeln und langfristig zu denken. Kurzfristige Rendite steht meist nicht im Mittelpunkt. Persönliche Bindungen und Loyalität werden geschätzt. Die wachsende Öffnung der russischen Wirtschaft hat zudem eine Veränderung im Umgang mit Beteiligungen bewirkt. Ausländischen Beteiligungen wird mehr Bewegungsfreiheit und operativer Gestaltungsraum zugestanden. Dies setzt freilich professionelles Reporting und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Beirat und Geschäftsführung voraus.

 

Aktuelles Beispiel

 

Ein aktuelles Beispiel: Als das börsennotierte Industrieunternehmen Kirovsky Zavod die Mehrheit des über 125 Jahre alten Werkzeugmaschinenherstellers Monforts in Mönchengladbach übernahm, wurde dies durch eine Vielzahl von Gesprächen auf allen Ebenen des Unternehmens begleitet. Dem russischen Käufer war bewusst, dass es auf deutscher Seite Misstrauen gab, was den Transfer von Know-how und Arbeitsplätzen betrifft. Auch Kunden und Lieferanten wollten überzeugt werden. Daher ist der Einstieg von Kirovsky Zavod verbunden mit der Möglichkeit, russische Strategen als respektierten Bestandteil der hiesigen Unternehmenslandschaft zu etablieren.

 

Deutschland besitzt unverändert ein großes Renommee weltweit und ein verlässliches Rechtssystem. Das wird weithin anerkannt und geschätzt. Die neue Generation der russischen Unternehmen sieht sich nicht als Außenseiter, sondern als aktiver Teilnehmer an wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen. Daran ändern auch politische Differenzen zwischen Ost und West nichts. Die gemeinsamen Interessen überwiegen und Nordrhein-Westfalen ist einzigartig positioniert, davon zu profitieren. Ein noch engerer Austausch zwischen Politik, Wirtschaft und Verbänden beider Länder ist daher zu begrüßen.

 

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Von Martin Schaele, Geschäftsführer der A. Monforts Werkzeugmaschinen GmbH und Albrecht Bochow, Member of the Management Board bei Kirovsky Zavod, St. Petersburg

 

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Börsen-Zeitung, 03.05.2014, Autor Von Martin Schaele, Geschäftsführer der A. Monforts Werkzeugmaschinen GmbH und und Albrecht Bochow, Member of the Management Board bei Kirovsky Zavod, St. Petersburg, Nummer 84, Seite B 6, 925 Worte

 

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