• Kirovsky Zavod und ŠKODA TRANSPORTATION bilden Joint Venture

    Die russische Industrieholding und die tschechische Maschinenbaugesellschaft haben ein Abkommen über die Gründung eines gemeinsamen Unternehmens für die Produktion von Elektrofahrzeugen unterzeichnet.

  • Lieferung von Ausrüstungen für AKW der Slowakei

    Das Energiemaschinenbauunternehmen Kirov-Energomash (ein Tochterunternehmen der Kirov-Gruppe) hat dem Auftraggeber Bauteile für die Reaktorblöcke von zwei Kernkraftwerken der Slowakischen Republik geliefert.

  • Kirovsky Zavod produziert Turbokompressor für den weltgrößten dieselelektrischen Eisbrecher

    Kirov-Energomash wird einen Turbokompressor für den multifunktionalen Eisbrecher der neuen Generation anfertigen.

Starteite > Pressezentrum > Presse über uns

Presse über uns

4 März 2014, 0:00

Der neue Eigentümer kommt aus Sankt Petersburg

Frankfurter Allgemeine ZEITUNG FÜR DEUTSCHLAND
F.A.Z., Dienstag,den04.03.2014 UNTERNEHMEN 18

 

Der neue Eigentümer kommt aus Sankt Petersburg

 

Die Zahl rassischer Beteiligungen an deutschen Unternehmen nimmt zu

 

csc. MÖNCHENGLAD BACH, 3. März. Zweimal war Martin Schaele schon in Sankt Petersburg bei seinem Chef Georgy Semenenko. Der russische Unternehmer ist 31 Jahre alt, spricht fließend Englisch und gilt als westlich orientiert. Als Mehrheitseigner führt er Kirovsky Zavod, einen der ältesten Industriekonzerne Russlands mit 7500 Mitarbeitern und einem Umsatz von 550 Millionen Euro. Die unter seinem Vater in den Neunzigeijahren privatisierte Gruppe gilt als führender russischer Produzent von Traktoren und ist unter anderem auch im Baumaschinensektor, in der Energietechnik und der Metallurgie aktiv. Der Ursprung liegt in einer 1801 gegründeten Eisengießerei für Militärmunition.

 

Auch in Deutschland hat die Kirovsky-Gruppe ein Standbein. Von der Jagenberg-Gruppe wurde vor einem Jahr die A. Monforts Werkzeugmaschinen GmbH aus Mönchengladbach übernommen. Der 1884 gegründete Traditionshersteller war im Zuge der Finanzkrise schwer ins Straucheln geraten und musste 2010 Insolvenz anmelden. Als langjähriger Kunde hatte Kirovsky Zavod unter anderem sein Traktorenwerk mit den Präzisionsmaschinen vom Niederrhein bestückt.

 

Mit dem neuen Eigentümer zeigt sich der Mitte 2013 berufene Monforts-Geschäftsführer Martin Schaele zufrieden: „Wir gehören einem Industrieunternehmen mit langfristigen Zielen und nicht einem kurzfristig orientierten Finanzinvestor", sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Kirovsky Zavod habe sich substantiell finanziell engagiert. Mit Semenenko verstehe er sich fachlich und persönlich gut. Zu möglichen Vorbehalten merkt Schaele an, in das operative Geschäft rede ihm niemand hinein. „Wir sind ein deutscher Werkzeugmaschinenbauer und sollen auch so wahrgenommen werden."

 

Nach der Umstrukturierung will Monforts wieder wachsen und neue Märkte erschließen. Für 2014 plant Schaele, der DMG Mori Seiki (vormals Gildemeister) sowie eine Reihe von Mittelständlern als Wettbewerber sieht, ein zweistelliges prozentuales Umsatzplus (2013: 20 Millionen Euro). Das Ergebnis soll nach verlustreichen Jahren zumindest operativ ausgeglichen sein. Die Mitarbeiterzahl von zurzeit 140 soll leicht zunehmen.

 

Wachstumschancen wittert Schaele zum einen in der Heimat des neuen Besitzers. „Um Geschäfte in Russland zu machen, muss man im Land vertreten sein." Aber auch in China und den Vereinigten Staaten sieht er mittelfristig Aussichten für die Drehmaschinen, die im Flugzeugbau bei Kunden wie Rolls¬Royce, MTU und Pratt & Whitney, in der Raumfahrtindustrie und der Lastwagenproduktion zum Beispiel beim schwedischen Hersteller Scania zum Einsatz kommen. Zur Entwicklung des Geschäfts brauche es einen langen Atem, den Kirovsky aber mitbringe. Die Exportquote soll mittelfristig von jetzt 30 auf 40 Prozent steigen.

 

Die Kirovsky-Gruppe wiederum will ihre Werkzeugmaschinensparte nach eigenem Bekunden durch den Zukauf technologisch weiter entwickeln. Auch soll der Erwerb dem Konzern bei der „Integration in die Globalwirtschaft" helfen. „Wir haben den Marktzugang in Russland und den GUS-Staaten, das Know how und die Mittel, um Monforts wieder auf die Erfolgsspur zu bringen", sagt der deutsche Manager Albrecht Bochow, der im Kirovsky-Vorstand für das internationale Geschäft zuständig ist. Kurz nach dem Monforts-Kauf hat der russische Konzern noch ein weiteres deutsches Unternehmen aus der Insolvenz heraus erworben, den Bushersteller Göppel aus Thüringen.

 

Mit der Übernahme deutscher Betriebe machten vor allem chinesische Unternehmen in den vergangenen Jahren Schlagzeilen, etwa die Sany-Gruppe, die 2012 den schwäbischen Betonpumpenhersteller Putzmeister übernommen hat. Doch auch die russischen Übernahmeaktivitäten in Deutschland haben in den vergangenen Jahren zugenommen, wenn sie auch zahlenmäßig weit hinter denen der Amerikaner, Briten, Schweizer und Franzosen zurückliegen, wie Marc Lehnfeld von der Wirtschaftsförderungsagentur Germany Trade and Invest feststellt. Erst kürzlich wurde etwa die Hamburger Sietas-Werft von der russischen Pella-Werft gekauft. Mitte Februar erwarb das Moskauer Pharmaunternehmen R-Pharm den Pfizer - Standort in Illertissen.

 

Die Akquisitionen fänden punktuell und gezielt statt, sagt Simon Kenyon, der für das Beratungsunternehmen PWC russische Investoren berät. Sie dienten vor allem dem Zugang zu Know how: „Branchen wie die Pharma- und die Automobilindustrie haben Bedarf an neuen Produktionsprozessen und Technologien und kaufen diese im Westen zu." Von einer Übernahmewelle durch Russen hierzulande könne man aber nicht sprechen. Die russischen Unternehmen seien nach wie vor stark auf ihr eigenes Land und die GUS-Staaten konzentriert.

 

Eine Rolle spielen laut Lehnfeld Beteiligungen russischer Wagniskapitalgeber in Deutschland. So investierte kürzlich der russische Venture-Capital-Fonds Runa Capital in das Berliner Start-up Cloudpartner (IT-Dienstleistungen). Beim Berliner Online-Essenlieferdienst Foodpanda, der zur Rocket-Internet- Gruppe der Samwer-Brüder gehört, stieg Phenomen Ventures aus Moskau ein. Der Fokus auf Wagniskapital sei bei den russischen Investoren deutlich stärker ausgeprägt als bei Investitionen aus den Vereinigten Staaten oder Großbritannien, berichtet Lehnfeld.

 

Auf der Düsseldorfer Werkzeugmaschinenmesse Metav will Monforts-Geschäftsführer Schaele nun um neue Kunden werben. Ein Schwerpunkt der Präsentation wird auf der Integration der Lasertechnik in die Drehmaschinen liegen, was die Bearbeitung eines Werkstücks in einer Maschine ermöglicht. Auch Georgy Semenenko wird Schaele wohl auf der Metav wiedertreffen. Der Unternehmer will zu der Branchenschau einfliegen.

 

04.03.2014 http://www.faz.net/e-paper/

 

198097, Russland, St. Petersburg, Stachek Pr. 47

Telefon Auskunftsdienst: 702-04-09

Faxen: 252-04-16